Quelle: BD Cover und Filmzitate: Warner Home Video, Murnau Stiftung
Quelle: BD Cover und Filmzitate: Warner Home Video, Murnau Stiftung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Metropolis (1927)

Friedrich-Wilhelm Murnau Stiftung, UFA, BD: Warner Home Video

Produktionland: Deutschland (Weimarer Republik); Länge 153 Minuten (restaurierte BD Fassung)

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Darsteller Team
Gustav Fröhlich als Fred Fredersen Regie: Fritz Lang
Alfred Abel als Joh Fredersen Produktion: Erich Pommer
Brigitte Helm als Maria Drehbuch: Thea von Harbou
Rudolf Klein-Rogge als Erfinder Kamera: Karl Freund, Günther Rittau, Walter Ruttmann
Theodor Loos als Josaphat Schnitt: Fritz Lang
 Heinrich George als Groth Musik: Gottfried Huppertz

Besprechung:
Bei so manchem Film stellt es für mich ein riesiges Problem dar, etwas zu schreiben, weil eigentlich alles, was es über das jeweilige Werk zu sagen gibt, schon hunderte Male und von viel klügeren Köpfen als mir geschrieben wurde. Daher möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht erst versuchen, Metropolis neu zu interpretieren, zumal ich den gängigen Meinungen überwiegend zustimme. Ein Neuversuch wäre wohl von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Außerdem sind die Ästhetik, die perfekte Umsetzung, die Technik des Films, überhaupt die gesamte Visualisierung geradezu legendär und waren Thema in vielen filmwissenschaftlichen Arbeiten. Bekannt dürfte auch sein, dass die atemberaubenden Stadtkulissen seit nunmehr 90 Jahren Vorbild für die moderne Science Fiction sind. Bildtelefone, Roboter, innerstädtischer Flugverkehr und andere typische Elemente tauchen hier zum ersten Mal auf und wurden tricktechnisch so aufwendig und grandios in Szene gesetzt, dass sie viele Jahre lang eigentlich unerreicht blieben. In der Special Edition zu diesem Monumentalwerk wird einiges zum Thema gesagt. Man muss sich nur vorstellen, dass allein die etwa 15 sekündige Szene, die den regen Verkehr in Metropolis zeigt, acht Tage Arbeit mit über 500 Modellen bedeutete, die allesamt millimeterweise bewegt und dann mittels Stop Motion aufgenommen werden mussten . Die Wolkenkratzermodelle beinhalten Gebäude mit bis zu 70 Stockwerken. Wie gesagt, sind diese Superlativen bekannte Details, doch es scheint mir wichtig, noch einmal explizit auf diesen grandiosen und für den Film insgesamt wegweisenden Aufwand hinzuweisen.

Eigentlich könnte ich diesen Artikel an dieser Stelle auch schon wieder beenden, denn wie gesagt gibt es nichts, was nicht schon gesagt worden ist. Deshalb habe ich mich entschieden, Euch ein wenig über die Kunstrichtung des Expressionismus zu erzählen, der Metropolis angehört. Die Epochen der Kunst lassen sich für die Zeit zwischen 1750 und etwa 1930 grob in den Klassizismus, Realismus, Impressionismus (etwa 1890 bis 1920) und ab 1905 auch den in Deutschland entstandenen Expressionismus einordnen. Diese Kunstform nahm einen so großen Einfluss, dass sie sogar Japan erreichte.

Während der in Frankreich entstandene Impressionismus auf einen zwar nicht realistischen, aber indivduellen Eindruck des Künstlers verweist, eben eine Impression widerspiegelt (in der Musik wäre hier beispielsweise Claude Debussy mit seinem Prélude á l'aprés-midi d'un faune zu nennen), will der Expressionismus eher das genaue Gegenteil. Mit anderen Worten sollte hier kein persönlicher Eindruck beschrieben, sondern etwas zum Ausdruck gebracht werden. Empfundene Schönheit, wie im Impressionismus, war dabei nicht unbedingt von Bedeutung, wenn Ästhetik auch, wie fast überall in der Kunst (na gut, reden wir hier lieber nicht über den Dadaismus...), eine große Rolle spielte. Das soll nun nicht heißen, dass man Metropolis nicht auch als „schön“ bezeichnen dürfte. Das ist er visuell ganz sicher! Doch gerade mit seinem politisch brisanten, durchaus an den Marxismus angelehnten Thema, war das Werk prädestiniert dafür, die Qualen der Unterschicht gegenüber einer alles beherrschenden Oberschicht in einer für damalige Verhältnisse geradezu brutalen Form zum Ausdruck zu bringen. Man denke nur an Freder Fredersens Erlebnisse an der Herzmaschine, die in seiner Fantasie dem menschenverschlingenden Moloch gleicht. Hier wird also nicht der persönliche Eindruck des Protagonisten an sich beschrieben, sondern sein Entsetzen in Form einer Traumsequenz zum Ausdruck gebracht.

Ein weiteres Bespiel: bereits zu Beginn sehen wir uniform gekleidete Menschenmassen, die im Gleichschritt ihrem schrecklichen Schicksal entgegen eilen, während auf der anderen Seite die Gepeinigten von der harten Arbeit in ein tristes zu Hause tief unter der Erde, weit entfernt von den Wohlhabenden, zurückkehren müssen. Hier greift das Sprichwort „Bilder sagen mehr als tausend Worte“, denn „schön“ im eigentlichen Sinne ist diese Szene wahrlich nicht zu nennen. Dafür bringt sie in ihrer ganzen Ästhetik die Qualen der geschundenen Arbeitermassen zum Ausdruck. Es wird also wiederum kein Eindruck als solcher geschildert, sondern der „innere Zustand“ der gezeigten Menschen nach außen transportiert.

Insofern ist gerade dieses Meisterwerk nicht nur als reines Urgestein der Science Fiction interessant. Der Film hat darüber hinaus eine auch heute noch wichtige und aktuelle Aussage, die sich in einem Schlüsseldialog zwischen Freder und seinem Vater widerspiegelt. Dieser poetisch/politische Filmtext sagt meines Erachtens so viel über die Intention Langs aus, dass ich mein kleines Essay damit enden lassen möchte:

Freder:

„Deine herrliche Stadt, Vater -

und Du das Hirn dieser Stadt -

und wir alle

im Lichte dieser Stadt... -

 

und wo sind die Menschen,

Vater, deren Hände

Deine Stadt erbauten...?

 

Vater Fredersen:

„Wo sie hingehören...“

 

Freder:

„wo sie hingehören...?

in die Tiefe...?“

 

(Denkpause)

 

„Und wenn die

in der Tiefe einmal

aufstehen gegen Dich?“

...

Zur Disc:

es gibt eine hervorrande 3 BD Special Edition mit zahlreichen Specials, die den Kauf mehr als nur wert ist. Unter anderem sind Texttafeln, Dokus über die Restaurierung, den Stil Fritz Langs, Fritz Huppertz' fantastische Filmmusik, die übrigens vor der Verfilmung geschrieben wurde und zur Tricktechnik vorhanden. Insgesamt gibt es über drei Stunden überaus interessantes Bonusmaterial zu begutachten.

persönliche Bewertung: 6/6